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    Die Geschäfte laufen gut, aber die Verunsicherung sitzt tief // Wirtschaftslagebericht für das 2. Quartal 2022

    Erst die Pandemie, jetzt Russland-Ukraine-Krieg, Inflation und Energiekrise: Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft könnten kaum ungünstiger sein. Den Unternehmen in der Region kann der massive Gegenwind bisher allerdings wenig anhaben. „Die Geschäfte der regionalen Wirtschaft laufen nach wie vor vergleichsweise gut. Doch mit Blick auf die weitere Entwicklung herrscht tiefe Verunsicherung. Auch wenn Russland wohl weiter Gas liefern will, geht die Angst vor einem Importausfall um“, kommentiert Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, den aktuellen IHK-Wirtschaftslagebericht.

    Die Belastungen für die Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken sind massiv: Der Russland-Ukraine-Krieg, Teuerungsraten bei den Energiepreisen sowie anhaltende Lieferengpässe bremsen den Aufschwung nach der Corona-Pandemie und stürzen viele positive Zukunftserwartungen ins Gegenteil. „Doch nach wie vor präsentieren sich die Unternehmen in der Region erstaunlich krisenfest“, fasst Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, die jüngste Konjunkturumfrage der Kammer zusammen. An der Erhebung für das 2. Quartal 2022 beteiligten sich 384 Betriebe aller Branchen und Größenklassen mit rund 68.000 Beschäftigten aus dem gesamten Kammerbezirk.

    Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (43 Prozent) sagt, ihre wirtschaftliche Lage sei gut. In der Industrie sind es sogar 48 Prozent, zwei Prozent mehr als im Quartal zuvor. Auch im Einzelhandel geht es bergauf. 46 Prozent der Einzelhändler stellen einen guten Geschäftsverlauf fest. Im ersten Quartal waren es lediglich 31 Prozent. Die Auftragsbücher sind noch gefüllt, die Geschäftslage trotzt allen Widrigkeiten. Viele Unternehmen erwarten allerdings nicht, dass das so bleibt. Beim Blick in die Zukunft halten sich Pessimisten und Optimisten in etwa die Waage. Nicht mal ein Viertel (21 Prozent) der Betriebe blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Etwa ebenso viele (22 Prozent) sehen die Entwicklung pessimistisch. Zu den ohnehin schon hohen Belastungen kommt die Furcht vor einem Stopp der Gas-Lieferungen aus Russland. „Die Unternehmen sind zutiefst verunsichert. Sie wissen nicht, wie es mit der Energieversorgung weitergeht. Sie wissen nicht, ob und wann ihnen der Gashahn zugedreht wird. Die Geschäftsentwicklung ist somit kaum vorhersehbar. Zu erwarten ist nur, dass die Energie- und Rohstoffpreise weiter anziehen“, beobachtet Elke Döring.

    Elke Döring: „Den Mut zu verlieren, ist keine Option“
    So sehen auch zwei Drittel der Unternehmen die Rohstoff- und Energiepreise als größtes Geschäftsrisiko. Hinzu kommen die Klassiker: Fachkräftemangel und Arbeitskosten sind als wichtigste Risikofaktoren nicht verschwunden, sondern ein anhaltendes strukturelles Problem. „Aber jetzt den Mut zu verlieren, ist auch keine Option“, sagt Elke Döring. Wie im ersten Quartal will fast ein Viertel der Betriebe Personal aufbauen. Nur 15 Prozent planen Stellenstreichungen.

    Industrie
    Die Nachfrage nach Industriegütern geht international zurück. Schuld sind die sich abkühlende Weltkonjunktur, Lieferkettenprobleme und explodierende Preise bei Rohstoffen und Energie.  Ein Viertel der befragten Unternehmen (24 Prozent) klagt über einen Rückgang bei den Inlandsbestellungen. Im Frühjahr waren es 20 Prozent. Allerdings haben auch 27 Prozent mehr Bestellungen entgegengenommen. Nicht viel anders sieht es bei den Auftragseingängen aus dem Ausland aus. Insgesamt rechnet ein Drittel der Industrieunternehmen mit mehr Umsatz, 15 Prozent erwarten Einbußen. Beim für die Region so wichtigen Exportgeschäft haben sich Hoffnungen und Befürchtungen kaum verändert. Nach wie vor kalkulieren 30 Prozent der Unternehmen mit mehr Exporten, 16 Prozent erwarten Rückgänge. Der Expansionsfreude haben all die Krisen bisher wenig anhaben können. Nach wie vor plant mehr als ein Drittel der Unternehmen (35 Prozent gegenüber 37 Prozent im Vorquartal) weitere Investitionen, 24 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl aufstocken. Demgegenüber hat sich allerdings die Zahl jener, die einen Personalabbau planen, von acht auf 14 Prozent nahezu verdoppelt.

    Baugewerbe
    Im Baugewerbe hellt sich die Stimmung insgesamt etwas auf. Nach wie vor stehen aber Materialmangel, fehlende Fachkräfte sowie steigende Energie- und Baustoffkosten in einem krassen Missverhältnis zur Nachfrage nach Bauleistungen. Dennoch blicken die Unternehmen weniger pessimistisch in die Zukunft als noch im Frühjahr. Die Zahl der Pessimisten ist von 62 auf 42 Prozent gesunken. Acht Prozent blicken zuversichtlich in die Zukunft, Anfang des Jahres wollte kein einziges Unternehmen eine positive Prognose abgeben. Mit dem aktuellen Geschäftsverlauf ist etwa die Hälfte der Betriebe zufrieden, wobei sich die Auftragslage in der Branche ganz unterschiedlich entwickelt. Während die Betriebe im Hochbau mehr Aufträge verzeichnen, stagniert die Lage im Wohnungsbau. Unternehmen im Straßen- und Tiefbau registrieren weniger Aufträge. Als größte Geschäftsrisiken werden auch im Baugewerbe Rohstoff- und Energiepreise (mit 84 und 76 Prozent leicht verbessert) sowie der Fachkräftemangel (79 Prozent) genannt.

    Handel
    In allen Branchen fürchtet man sich vor massiven Kostensteigerungen und beklagt die fehlenden Fachkräfte. Das ist im Handel nicht anders. Die Stimmung hat sich gegenüber Jahresbeginn vor allem im Einzelhandel verbessert. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Einzelhändler meldet einen guten Geschäftsverlauf, 15 Prozent mehr als im ersten Jahresquartal. Dabei läuft es in Baumärkten sowie bei Sport- und Spielwaren besser als im Lebensmitteleinzelhandel. Bei der Einschätzung der aktuellen und künftigen Situation ist von Euphorie allerdings wenig zu spüren. Das Kaufverhalten wird von der überwiegenden Mehrzahl der Unternehmen als „saisonüblich angemessen“ oder „zurückhaltend“ angegeben. Auch die Kundschaft muss angesichts steigender Preise das Geld zusammenhalten. Somit rechnen auch nur noch elf Prozent der Einzelhändler damit, dass sich ihre Geschäfte in den kommenden Monaten verbessern.

    Dienstleistungsgewerbe

    „Verhalten optimistisch“ ist die Stimmung bei den Dienstleistern. Während 34 Prozent (Vorquartal 42 Prozent) mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden sind, erwarten nur 29 Prozent eine bessere Entwicklung. Überdurchschnittlich gut läuft es aktuell vor allem in den Bereichen Arbeitnehmerüberlassung und ITK-Dienstleistungen. Auch für Transport und Verkehr sowie für die Reisevermittler hat sich die Situation insgesamt verbessert. 41 Prozent der Dienstleister hatten im 2. Quartal einen höheren Umsatz, 35 Prozent verzeichneten ein höheres Auftragsvolumen.

    Hotel- und Gaststättengewerbe
    Bei den von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Hoteliers und Gastronomen kehrt schrittweise der Optimismus zurück. Erstmals seit dem Herbst 2021 überwiegen wieder die positiven Rückmeldungen aus der Branche, auch wenn die Umsätze noch weiter hinter denen von 2019 liegen.  Aktuell berichten 36 Prozent der Betriebe von einer guten wirtschaftlichen Situation, zwölf Prozent registrieren einen ungünstigen Geschäftsverlauf. Zu Jahresbeginn waren es noch 13 beziehungsweise 45 Prozent. Doch auch hier trüben die Energiepreise und der Fachkräftemangel die Aussichten. Nur noch 29 Prozent der Gastronomen blicken optimistisch in die Zukunft (Vorquartal 44 Prozent).

    Elke Döring: „Robuste Unternehmen“

    „Die Zahlen der Konjunkturumfrage zeigen, wie robust die Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken aufgestellt sind und welches Potenzial sie haben, in Krisen zu bestehen. Wie lange sie das können, hängt auch davon ab, wie die politischen Weichen jetzt angesichts von Energieverknappung und explodierenden Preisen gestellt werden“, so die IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring, die in dem Zusammenhang den geplanten Gas-Gipfel von Ministerpräsident Winfried Kretschmann ausdrücklich begrüßt: „Es ist wichtig, dass wir alle unseren Beitrag zur Energieeinsparung leisten. Unsere Betriebe unternehmen bereits alles, um ihre Energiekosten zu senken. Was sie aber viel dringender benötigen als Ein-spartipps, ist ein verbindlicher politischer Notfallplan für den Tag X, wenn kein oder nur noch geringfügig Gas zur Verfügung steht. Wir sind gespannt, welche Vorhaben uns die EU-Kommission heute präsentieren wird.“

    Text- und Bildquelle: IHK Heilbronn-Franken

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