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    Künzelsau festigt seinen Ruf als Kurzfilmhochburg der Region

    Bereits zum vierten Mal ging das kurz.film.fest in diesem Januar über die Bühne. Man sollte meinen, eine gewisse Routine sei eingekehrt, zumal die Künzelsauer sich in der Nachwuchskurzfilmszene mittlerweile etabliert haben und neben vielen Einreichungen auch immer mit einer regen Beteiligung der Filmemacher*innen und vielen Gästen aus der Region und darüber hinaus rechnen können. Bereits im Herbst 2020 war jedoch klar, dass man, auch wenn die Situation damals noch nicht ganz so dramatisch aussah, dieses Fest nicht wie gewohnt am Campus oder im Kino werde feiern können. Doch der Umstand sollte nicht dazu führen, das kurz.film.fest nicht stattfinden zu lassen, zu groß ist das Interesse der Kulturmanagementstudierenden und ihrer Dozentin Prof. Dr. Raphaela Henze an der Kunstform und zu gespannt war man darauf, neue, digitale Formate zu erproben.

    Das kurz.film.fest 2021 – keine leichte Kost

    Und so fand am 14. Januar 2021 das erste gestreamte kurz.film.fest statt. Mit 135 Teilnehmer*innen lag das Format in der Gunst der Zuschauer*innen gleichauf mit der analogen Veranstaltung auf den Tag genau ein Jahr zuvor. Dieses kurz.film.fest war vielleicht sogar das mutigste von allen bisherigen. Nicht nur wegen der neuen Technik und den damit verbundenen Unsicherheiten, sondern auch wegen der gezeigten Filme in den Sparten Animation/Experimental, Spielfilm und Dokumentation. Die Filme der Nachwuchsfilmemacher*innen waren allesamt eher düster angelegt. Die Themen u.a. Bulimie, Pädophilie, und Sexualbegleitung für Menschen mit Behinderung sind mitnichten leichte Kost. Erstmals wurden nur Zuschauer*innen ab 18 Jahren zum Filmfest zugelassen, da die Filme neben den durchaus schwierigen Themen auch explizite Szenen enthielten, die aber immer stimmig und nie gewollt wirkten.

    Die Gewinner von Publikum und Jury

    Interessant auch, dass Publikum und Jury in den Sparten Animation und Spielfilm auseinanderlagen. Während die Zuschauer*innen bei den Animationen für die sauber geplottete Stop-Motion-Animation Tick votierten, sprach sich die Expertenjury bestehend aus Dominik Kuhn (aka Comedian Dodokay), Kulturjournalist Tobias Krone und Arthouse-Kinobetreiber Peter Zwingmann für die CinemaScope-Königsklasse ‚Wild West Compressed‘ mit komplett selbstproduzierter Musik aus. Beide Filme waren von Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg ins Rennen um die Preise geschickt worden.

    Auch bei den Spielfilmen waren die Zuschauer*innen des Livestreams uneins mit der Jury. In ihrer Gunst stand der Film ‚90%‘ über einen magersüchtigen Teenager höher als der von der Jury ausgezeichnete Spielfilm ‚Aus den Fugen‘ über einen pädophilen Jugendlichen, der alles dransetzt, nicht zum Täter zu werden. Wiebke Becker und Jerry Hoffmann, die sich für die Filme verantwortlich zeichnen, studieren an der Hamburg Media School und freuten sich sichtlich über die Auszeichnung.

    Große Einigkeit herrschte hingegen bei der Dokumentation. Hendrik Ströhle aus Ludwigsburg konnte mit der einfühlsam erzählten Dokumentation ‚Berühr mich‘ über Sexualbegleitung für Menschen mit Behinderung die Herzen von Jury und Publikum für sich gewinnen. Die beiden Protagonisten seiner Dokumentation waren bei der anschließenden, ebenfalls auf YouTube übertragenen Fragerunde im Meetingraum anwesend und lieferten ein sehr eindringliches Plädoyer für die Berücksichtigung der körperlichen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen. Neben dem Input zur Ideengenerierung und technischen Umsetzung von Kurzfilmen, den die anwesenden Regisseur*innen der Filme sehr bereitwillig dem interessierten Publikum gaben, werden es gerade die Einlassungen von Christine aus der Dokumentation ‚Berühr mich‘ sein, die bei vielen noch lange nachhallen werden.

    Der Kurzfilm – eine unterschätzte Kunstform mit großem Potenzial

    Und genau das will dieses kurz.film.fest: Begeistern für eine oft unterschätzte Kunstform, Geschichten erzählen, unterhalten, aber sicher auch Themen auf die Agenda heben, die ansonsten vielleicht nicht genug Aufmerksamkeit erhalten. Dass Künzelsau großes Kino kann, hat das kurz.film.fest schon mehrfach bewiesen. Drei Filme, die zuerst beim Künzelsauer kurz.film.fest gelaufen sind, haben es in den letzten Jahren zum Studierenden-Oscar nach Los Angeles gebracht. Zwei haben ihn tatsächlich gewonnen. Es ist nicht auszuschließen, dass die 135 Gäste des ersten digitalen kurz.film.fests am 14. Januar 2021 schon einen zukünftigen Oscargewinner gesehen haben.

     

    Text- und Bildquelle: Hochschule Heilbronn

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