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    Corona-Krise trifft regionale Wirtschaft hart

    Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung getroffenen Maßnahmen haben die regionale Wirtschaft in eine tiefe Rezession geführt. Im 2. Quartal 2020 sind die Lageeinschätzungen der Unternehmen gegenüber dem Jahresanfang 2020 massiv eingebrochen. Vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor haben sich die Lageindikatoren drastisch verschlechtert. Auch der Einzelhandel berichtet von gravierenden Umsatzeinbußen. Dagegen hat der Boom im Baugewerbe bisher der Corona-Krise weitgehend standgehalten. Trotz der zwischenzeitlichen Lockerungen fallen die Geschäftsaussichten insgesamt deutlich pessimistischer als zu Jahresbeginn 2020 aus.

    Die Lageurteile der regionalen Unternehmen haben sich im 2. Quartal 2020 gegenüber der Vorumfrage im 4. Quartal 2019 dramatisch verschlechtert. Nur noch 20 Prozent (Vorumfrage 41 Prozent) der Betriebe bezeichnen die aktuelle Geschäftslage als gut, während 41 Prozent (Vorumfrage 12 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden sind. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate fallen trotz der schrittweisen Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen seit der zweiten Aprilhälfte erheblich pessimistischer als im 4. Quartal 2019 aus. Während 21 Prozent (Vorumfrage 20 Prozent) der Unternehmen mit einem günstigeren Geschäftsverlauf rechnen, blicken 40 Prozent (Vorumfrage 23 Prozent) pessimistisch in die Zukunft. Die Betriebe sehen in der Corona-Pandemie das größte Geschäftsrisiko (74 Prozent).

    Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken: „Uns erwartet eine lange Durststrecke. Entscheidend wird es jetzt darauf ankommen, die Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme der Unternehmen in den Griff zu bekommen, den Konsum anzukurbeln und dabei gleichzeitig die Corona-Pandemie weltweit erfolgreich zu bekämpfen – auch, um die für unsere regionalen Unternehmen so wichtigen Exportmärkte wieder zu beleben. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass sich Europa schnellstmöglich auf einen wirksamen Corona-Aufbauplan einigt, damit der Binnenmarkt anspringt.“

    Industrie eingebrochen

    Die Lageeinschätzung in der Industrie liegt nur noch annähernd auf dem niedrigen Niveau wie im Jahr 2009 zu Zeiten der Finanzkrise. 18 Prozent sprechen von einer guten Geschäftslage (Vorumfrage 37 Prozent), während 45 Prozent (Vorumfrage 12 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden sind. Zu schaffen machen den Unternehmen insbesondere die Abnahme bzw. Stornierung von Aufträgen, Liquiditätsengpässe sowie logistische Engpässe.

    Die Zahl der Auslandsorders hat sich gegenüber der Vorumfrage drastisch verringert. 12 Prozent (Vorumfrage 23 Prozent) konnten einen Zuwachs der ausländischen Auftragseingänge verbuchen. 55 Prozent (Vorumfrage 33 Prozent) klagen über einen Rückgang. Im Bereich der Inlandsorders ist ebenfalls ein starker Rückgang zu verzeichnen. 11 Prozent (Vorumfrage 16 Prozent) berichten übersteigende inländische Auftragseingänge, 51 Prozent (Vorumfrage 39 Prozent) mussten Einbußen hinnehmen. Die Kapazitätsauslastung ist auf 69 Prozent gefallen (Vorumfrage 82 Prozent).

    Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten überwiegen die pessimistischen Stimmen. 24 Prozent (Vorumfrage 19 Prozent) erwarten eine günstigere Geschäfts-entwicklung, während 37 Prozent (Vorumfrage 26 Prozent) skeptisch in die Zukunft blicken. Ein Viertel rechnet mit steigenden Umsätzen, 47 Prozent befürchten Umsatzeinbußen. Die Exporterwartungen haben sich erneut deutlich verschlechtert. 19 Prozent (Vorumfrage 22 Prozent) kalkulieren mit steigenden Ausfuhren, 41 Prozent (Vorumfrage 26 Prozent) erwarten ein sinkendes Auslandsgeschäft. Auch das Investitionsverhalten ist stark rückläufig. 17 Prozent (Vorumfrage 29 Prozent) planen höhere Investitionsausgaben, während 39 Prozent (Vorumfrage 23 Prozent) ein sinkendes Investitionsniveau vorsehen.

    Dienstleistungsgewerbe eingebrochen

    Bei den Dienstleistern ist die Lageeinschätzung auf den niedrigsten Stand seit Bestehen der Zeitreihe im Jahr 1996 gesunken. 12 Prozent (Vorumfrage 39 Prozent) melden eine gute Geschäftslage, 51 Prozent (Vorumfrage 13 Prozent) sind mit dem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. Bedingt durch die Corona-Krise berichten die Dienstleister von einem rückläufigen Auftragsvolumen (71 Prozent), einem Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit (29 Prozent) sowie Liquiditätsengpässen (29 Prozent). Besonders stark hat sich die Lage im Verkehrsgewerbe, bei den ITK-Dienstleistern und im Bereich Arbeitnehmerüberlassung verschlechtert. Auch die Reisebüros sind von der Pandemie massiv betroffen. 8 Prozent der Dienstleister (Vorumfrage 33 Prozent) melden steigende Umsätze, drei Viertel (Vorumfrage 41 Prozent) klagen über Umsatzeinbußen. Beim Auftragsvolumen berichten 58 Prozent von einem Rückgang. Ein Zehntel verbuchte einen Anstieg.

    Bezüglich des zukünftigen Geschäftsverlaufs überwiegt der Pessimismus. 19 Prozent (Vorumfrage 26 Prozent) der Betriebe erwarten eine Verbesserung und 45 Prozent (Vorumfrage 26 Prozent) eine Verschlechterung. Als größte Geschäftsrisiken werden die Corona-Pandemie und die Inlandsnachfrage angesehen.

    Das bei den Ergebnissen zu den Dienstleistern nicht mit einbezogene Hotel- und Gaststättengewerbe hat im Branchenvergleich den extremsten Absturz der Lageurteile gegenüber dem 4. Quartal 2019 zu verzeichnen. Kein Betrieb (Vorumfrage 62 Prozent) meldet im Sommer 2020 gute Geschäfte, 77 Prozent (Vorumfrage 2 Prozent) sind mit der aktuellen Lage unzufrieden. Infolge der Corona-Pandemie berichten 92 Prozent von geringeren durchschnittlichen Gästezahlen, 57 Prozent von Liquiditätsengpässen. 89 Prozent klagen über eine verschlechterte Ertragslage.

    Baugewerbe weitestgehend stabil

    Der Boom im Baugewerbe hat der Corona-Krise bisher weitgehend standgehalten. Während 59 Prozent (Vorumfrage 66 Prozent) die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen, sind 2 Prozent (Vorumfrage 0 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. Als Auswirkungen der Corona-Pandemie nennen die Baubetriebe fehlende oder ausfallende Mitarbeiter (33 Prozent) und rückläufige Auftragseingänge (28 Prozent). Ein Zehntel (Vorumfrage 18 Prozent) berichtet von steigenden, 26 Prozent (Vorumfrage 18 Prozent) von fallenden Auftragseingängen. Am schwächsten fällt der Auftragsrückgang im Wohnungsbau aus, während der Straßen- und Tiefbau die stärkste Abnahme der Auftragseingänge meldet.

    Allerdings haben sich die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate erheblich verschlechtert. 4 Prozent (Vorumfrage 5 Prozent) erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf. 37 Prozent (Vorumfrage 9 Prozent) rechnen hingegen mit einer schlechteren Entwicklung. Neben dem Fachkräftemangel (65 Prozent) sieht mehr als die Hälfte (54 Prozent) in der Corona-Pandemie das größte Geschäftshemmnis.

    Großhandel deutlich verschlechtert

    Im Großhandel fällt die Lageeinschätzung erstmals seit sieben Jahren per saldo wieder negativ aus. 27 Prozent (Vorumfrage 29 Prozent) sprechen von einem guten Geschäftsverlauf. 39 Prozent (Vorumfrage 23 Prozent) äußern sich unzufrieden über die Geschäftslage. Insbesondere der konsumnahe Großhandel meldet deutlich schlechtere Geschäfte. Als Auswirkungen der Corona-Pandemie nennen die Betriebe Auftragsrückgange (73 Prozent), stornierte Aufträge (31 Prozent) und fehlende Waren und Dienstleistungen (35 Prozent). 22 Prozent (Vorumfrage 11 Prozent) melden steigende Bestellungen, während 47 Prozent (Vorumfrage 25 Prozent) über einen Rückgang klagen.

    Ein Fünftel (Vorumfrage 22 Prozent) rechnet mit einer günstigeren Entwicklung. 51 Prozent (Vorumfrage 15 Prozent) schätzen hingegen den weiteren Geschäftsverlauf pessimistisch ein. Größte Geschäftsrisiken sehen die Großhändler in der Corona-Pandemie und in der Inlandsnachfrage.

    Einzelhandel drastisch verschlechtert

    35 Prozent (Vorumfrage 47 Prozent) sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während ein Drittel (Vorumfrage 9 Prozent) die aktuelle Lage als schlecht bezeichnet. Durch die Corona-Krise leiden die Einzelhändler vor allem unter logistischen Engpässen (36 Prozent), fehlenden Waren (33 Prozent), Liquiditätsengpässen (31 Prozent) und einer drohenden Insolvenz (11 Prozent). 60 Prozent (Vorumfrage 24 Prozent) berichten von fallenden Umsätzen. Die Konsumbereitschaft der Verbraucher scheint sich nach den Shutdown-Maßnahmen wieder etwas belebt zu haben. 32 Prozent (Vorumfrage 9 Prozent) bezeichnen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig. 14 Prozent (Vorumfrage 64 Prozent) stufen es als saisonüblich angemessen ein. 54 Prozent (Vorumfrage 27 Prozent) sprechen allerdings von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Verglichen mit dem Vorkrisenniveau ist die durchschnittlich Kundenzahl bei 60 Prozent der Befragten gesunken. 53 Prozent (Vorumfrage 22 Prozent) kalkulieren zukünftig mit Umsatzrückgängen, ein Viertel (Vorumfrage 19 Prozent) erwartet Umsatzsteigerungen. Größte Geschäftsrisiken sind die Corona-Pandemie (60 Prozent) und die Inlandsnachfrage (43 Prozent).

    Die Geschäftserwartungen sind auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise vor elf Jahren gefallen. 14 Prozent (Vorumfrage 12 Prozent) rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 46 Prozent (Vorumfrage 18 Prozent) zeigen sich pessimistisch.

    Arbeitsmarkt unter Druck

    Der Arbeitsmarkt wird durch den Konjunktureinbruch und die pandemiebedingten Einschränkungen massiv getroffen. 8 Prozent (Vorumfrage 18 Prozent) planen die Schaffung neuer Arbeitsplätze. 34 Prozent (Vorumfrage 22 Prozent) erwägen einen Personalabbau.

    Mit Ausnahme des Baugewerbes, wo es nur 11 Prozent der Betriebe sind, machen die Unternehmen aller Branchen mehrheitlich von der Möglichkeit der Kurzarbeit Gebrauch.

    Der Fachkräftemangel bleibt für ein Viertel (Vorumfrage 51 Prozent) der Unternehmen nach wie vor ein erhebliches Geschäftsrisiko.

    An der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken haben 425 Unternehmen mit rund 73.000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen.

     

    Text- und Bildquelle: IHK Heilbronn-Franken

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