Mutmacherinnen
Ingrid Jäger
1. Gab es einen Moment in deinem Leben, der dich besonders geprägt hat?
Ja. Mein Vater hat mir schon als Kind einen Satz mitgegeben, der mich bis heute begleitet: „Du kannst alles werden, was du willst.“
Er hat mir nicht gesagt, welchen Weg ich gehen soll sondern er hat mir das Vertrauen gegeben, meinen eigenen zu finden. Dieses Vertrauen prägt bis heute mein Leben.
2. Was hättest du deinem jüngeren Ich gerne früher gesagt?
Achte gut darauf, mit welchen Menschen du dich umgibst. Vermeide solche, die dich klein machen.
Und ich hätte gesagt: Freu dich auf deine Zukunft. Es wird nicht immer einfach, aber es wird gut. Du wirst Menschen begegnen, die dein Leben bereichern, du wirst Herausforderungen meistern und feststellen, dass vieles, worüber du dir heute Sorgen machst, dich später stärker macht. Hab Vertrauen, denn der Weg lohnt sich.
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3. Welche Eigenschaft hat dir im Leben am meisten geholfen?
Mutig sein. Für Menschen und Organisationen.
Ich glaube daran, dass in jedem Menschen mehr steckt, als er selbst oft sieht. Ich erkenne Potenziale und Talente häufig lange bevor sie den Menschen selbst bewusst werden. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als den Moment, in dem jemand beginnt, an sich selbst zu glauben.
Ich helfe Menschen, den Mut und die Energie zu entwickeln, sich Fähigkeiten und Wissen anzueignen und diese einzusetzen und daran zu wachsen.
In Unternehmen sehe ich Möglichkeiten in Prozessen und Abläufen, wo andere vor allem Grenzen erkennen. Während viele auf Hindernisse, Gewohnheiten oder vermeintliche Sachzwänge schauen, stelle ich eine andere Frage: Wie erreichen wir unser Ziel trotzdem?
Ich suche nicht nach Gründen, warum etwas nicht funktioniert. Ich suche nach Wegen, wie es funktionieren kann. Ich erkenne Zusammenhänge, finde Stellschrauben und verbinde Menschen, Prozesse und Strukturen so miteinander, dass nachhaltige Performance entstehen kann.
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4. Was bedeutet Mentoring für dich persönlich?
Gerade Frauen, die ihre Heimat verlassen haben, erleben häufig einen Bruch: Sie waren vielleicht erfolgreich, anerkannt und selbstständig. Plötzlich müssen sie sich in einer neuen Sprache, einer anderen Kultur und einem unbekannten Arbeitsmarkt neu beweisen. Das kann das Selbstvertrauen erschüttern. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und ins Handeln kommen zu können, braucht es Wissen, Orientierung und innere Stärke.
Genau das möchte ich ihnen geben: das Wissen, wie Dinge funktionieren, die Ermutigung, an sich selbst zu glauben, und die Stärke, ihren eigenen Platz zu finden. Denn wenn alles zusammenkommt entstehen echte Chancen.
5. Warum hast du dich entschieden, Mentorin zu werden?
Mentorin zu sein, ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich möchte diesen Frauen Wissen vermitteln, ihnen Mut machen und sie dabei unterstützen, ihre eigene Stärke zu entdecken. Es erfüllt mich zu sehen, wenn jemand beginnt, wieder an sich selbst zu glauben und den nächsten Schritt mit Zuversicht geht.
Gleichzeitig bekomme ich selbst unglaublich viel zurück. Es entstehen Vertrauen, echte Beziehungen und oft auch langfristige Kontakte. Ich lerne neue Perspektiven kennen, erlebe unterschiedliche Lebensgeschichten und spüre immer wieder, wie bereichernd Gemeinschaft sein kann.
Mentoring bedeutet für mich deshalb weit mehr als Wissen weiterzugeben. Es bedeutet, Menschen auf einem wichtigen Stück ihres Weges zu begleiten und gemeinsam daran zu wachsen.
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6. Was möchtest du Frauen mit auf ihren Weg geben?
– Hab keine Angst davor, neu anzufangen. Ein Neuanfang ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut.
– Warte nicht darauf, dass andere an dich glauben. Es hilft, wenn jemand an dich glaubt aber am Ende musst du selbst den ersten Schritt gehen.
– Lass dich nicht von Rückschlägen definieren. Sie entscheiden nicht über deine Zukunft, sondern darüber, was du daraus machst.
– Nutze deine Talente. Oft sehen andere deine Stärken früher als du selbst. Nimm dieses Feedback ernst.
– Suche dir Menschen, die dich wachsen lassen. Das richtige Umfeld entscheidet oft darüber, wie groß du wirst.
– Bleib neugierig. Wer bereit ist zu lernen, entwickelt sich sein ganzes Leben weiter.
– Übernimm Verantwortung für dein Leben. Nicht alles kannst du beeinflussen aber immer, wie du darauf reagierst.
– Gib etwas zurück. Erfolg wird bedeutungsvoller, wenn andere davon profitieren.
– Trau dich, sichtbar zu sein. Deine Ideen, deine Geschichte und deine Persönlichkeit können anderen Mut machen.
– Und hört auf, euch ständig mit anderen zu vergleichen. Die Welt braucht keine zweite Version von jemand anderem. Sie braucht euch.
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7. Was überrascht dich immer wieder an der Arbeit mit Mentees?
Mich überrascht immer wieder, wie schnell zwischen Vertrauen zwischen Mentorin und Mentee entstehen kann und dies unabhängig von Kultur, Bildung oder Alter. Obwohl die Lebensgeschichten so unterschiedlich sind, entsteht oft schon nach kurzer Zeit eine ehrliche Verbindung. Ebenso beeindruckt mich, wie schnell sich meine Mentees mit der richtigen Unterstützung entfaltet haben. Oft braucht es gar keine großen Veränderungen. Manchmal reichen ein offenes Gespräch, eine neue Perspektive oder die Bestätigung, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Zu sehen, wie meine Mentees dadurch an Selbstvertrauen gewinnen, ihre Stärken erkennen und mutig die nächsten Schritte gehen, begeistert mich immer wieder.
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8. Erinnerst du dich an einen Moment als Mentorin, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ja, an einen Moment erinnere ich mich besonders gut. Eine Mentee kam zu mir, die sehr unsicher war, vor allem wegen ihrer deutschen Sprache. Sie war überzeugt, dass genau das sie daran hindert, ihre beruflichen Ziele zu erreichen.
Im Mentoring wurde ihr jedoch klar, dass sie nicht ihre Sprache verändern musste, sondern ihren Blick auf ihre Möglichkeiten. Gemeinsam haben wir neue Wege betrachtet und erkannt, dass ihre Muttersprache und ihr kultureller Hintergrund keine Schwäche sind, sondern ein echter Mehrwert. Daraufhin hat sie ihr ursprüngliches Berufsziel bewusst angepasst.
Heute nutzt sie genau das, was sie früher als Nachteil empfunden hat, als ihre größte Stärke. Sie arbeitet erfolgreich in einem Umfeld, in dem ihre Sprachkenntnisse und ihre interkulturelle Kompetenz gefragt sind. Für mich ist das ein wunderbares Beispiel dafür, dass Mentoring nicht immer bedeutet, Menschen an ihr ursprüngliches Ziel zu bringen sondern ihnen zu helfen, das Ziel zu finden, das wirklich zu ihren Stärken passt.
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9. Wann hast du gespürt, dass deine Unterstützung wirklich etwas bewirkt hat?
Ich merke, dass meine Unterstützung wirkt, wenn das erste Erfolgserlebnis kommt. Wenn ich sehe, wie aus Unsicherheit Zuversicht wird. Wenn die Freude plötzlich sichtbar ist, ein Lächeln entsteht und meine Mentees voller Begeisterung und neuer Motivation nach vorne schauen.
Genau in diesem Moment verändert sich etwas. Wenn sie erkennen, dass sie selbst etwas bewirken können. Sie beginnen, an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben und sehen plötzlich Möglichkeiten, wo vorher nur Zweifel waren. Diese Entwicklung mitzuerleben, ist für mich das Schönste am Mentoring.
Denn Erfolg beginnt nicht erst mit einer neuen Stelle oder einem erreichten Ziel. Erfolg beginnt in dem Moment, in dem ein Mensch wieder an sich selbst glaubt.
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10. Was motiviert dich, trotz eines vollen Berufslebens Zeit für Mentoring zu investieren?
Es ist etwas ganz Besonderes, zu erleben, wie ein Mensch plötzlich wieder an sich glaubt. Wenn aus Unsicherheit Mut wird, aus Zweifel Zuversicht und aus Zurückhaltung Freude.
Gleichzeitig lerne ich dabei wunderbare Menschen kennen. Aus vielen Begegnungen entstehen Vertrauen, gegenseitige Wertschätzung und Verbindungen, die weit über das Mentoring hinausgehen. Ich begleite die Mentees ein Stück ihres Weges und sie bereichern auch meinen Lebensweg.
Genau diese Momente geben mir unglaublich viel Energie. Sie erinnern mich immer wieder daran, warum ich tue, was ich tue. Für mich ist Mentoring deshalb keine zusätzliche Aufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit.
MUTMACHERINNEN.
BEGLEITUNG,
DIE TÜREN ÖFFNET.
Zwölf Frauen. Zwölf Geschichten. Ein Ziel: Frauen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in die Arbeitswelt stärken. Der Kalender der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken zeigt die Gesichter und Persönlichkeiten hinter diesem ehrenamtlichen Engagement.
Sie teilen ihre beruflichen Erfahrungen, geben Orientierung und machen Mut. Im persönlichen 1:1-Kontakt unterstützt die Mentorin dabei, Kompetenzen und berufliche Ziele sichtbar zu machen sowie Bewerbungen und Vorstellungsgespräche vorzubereiten. So lassen sich gemeinsam passende Wege in Qualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung entwickeln.
ENGAGEMENT, DAS WIRKT.
Viele Mentees bringen wertvolle Qualifikationen, Berufserfahrung, Mehrsprachigkeit und neue Perspektiven mit. Das Mentorinnen-Programm schlägt die Brücke in den lokalen und regionalen Arbeitsmarkt. Das schafft berufliche Chancengleichheit und gibt der Fachkräftesicherung in Heilbronn-Franken spürbaren Rückenwind.
VORBILDER, DIE INSPIRIEREN.
Unsere Mutmacherinnen schenken Zeit, Erfahrung und ehrliches Feedback. Mit diesem Kalender sagen wir stellvertretend für alle Mentorinnen Danke an zwölf großartige Frauen, die den beruflichen Weg anderer nachhaltig verändern und mutig vorangehen.
WERDEN AUCH SIE
MUTMACHERIN.
Ihre Erfahrung kann Lebenswege verändern. Teilen Sie Ihre Berufserfahrung, Ihre Kontakte und Ihre Perspektiven. Werden Sie Mentorin und unterstützen Sie eine Frau dabei, beruflich in Heilbronn-Franken durchzustarten. Wir freuen uns auf Sie.
Kontaktstelle
Frau und Beruf Heilbronn-Franken
ÜBER DAS MENTORINNEN-PROGRAMM
FÜR MIGRANTINNEN
Das vom Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus geförderte Landesprogramm Kontaktstellen Frau und Beruf leistet seit 1994 einen wichtigen Beitrag zur Erschließung des Fachkräftepotenzials von Frauen und zur Förderung der Gleichstellung von Frauen im Beruf.
Das Mentorinnen-Programm für Migrantinnen ist ein absolutes Erfolgsmodell und ein Leuchtturmprojekt für die Wirtschaft im Land.
Das Mentorinnen-Programm ist ein zusätzliches Angebot der Kontaktstellen mit dem Ziel, Frauen mit Migrationshintergrund (Mentees) besser in den Arbeitsmarkt des Landes Baden-Württemberg zu integrieren. Dabei werden die beruflichen Interessen und Qualifikationen der Mentees ebenso berücksichtigt, wie der Wunsch von Wirtschaftsunternehmen, neue Fachkräfte zu gewinnen.
Weiterführende Links.
Die Fotografin
Semiha Eroglu – Menschen und Geschichten sichtbar machen
Die Porträts der „Mutmacherinnen“ stammen von Semiha Eroglu. Sie ist Fotografin und Filmemacherin und studierte Film und Video an der Merz Akademie Stuttgart. Ihre Arbeit verbindet Fotografie, Film, Storytelling und visuelle Kommunikation.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stehen Menschen, Biografien und Fragen von Identität und Sichtbarkeit. Semiha entwickelt eigene dokumentarische Formate und erzählt Geschichten mit einer persönlichen, nahbaren Bildsprache.
Eine besondere Arbeit ist ihre dokumentarische Fotoserie „Dear Mama“ – eine persönliche Hommage an ihre Mutter und zugleich an alleinerziehende Frauen. Die Serie beschäftigt sich mit Stärke, Fürsorge und den oft unsichtbaren Leistungen von Frauen. Ein Bild daraus wurde in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt. Diese Haltung verbindet ihre Arbeit mit dem Projekt „Mutmacherinnen“: Auch hier stehen Frauen, ihre Persönlichkeit, ihre Erfahrungen und ihre Wirkung im Mittelpunkt.Mit ihren Porträts macht Semiha Eroglu nicht nur Menschen sichtbar, sondern auch das, wofür sie stehen. MUTMACHERINNEN Zwölf Frauen. Zwölf Geschichten. Ein Ziel: Frauen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in die Arbeitswelt stärken. Der Kalender der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken zeigt die Gesichter und Persönlichkeiten hinter diesem ehrenamtlichen Engagement. Sie teilen ihre beruflichen Erfahrungen, geben Orientierung und machen Mut. Im persönlichen 1:1-Kontakt unterstützt die Mentorin dabei, Kompetenzen und berufliche Ziele sichtbar zu machen sowie Bewerbungen und Vorstellungsgespräche vorzubereiten. So lassen sich gemeinsam passende Wege in Qualifizierung, Ausbildung und Beschäftigung entwickeln.
