Wenn Hitze zum Wirtschaftsfaktor wird – Tipps von KEFF+

Hitze, Trockenheit und Wasserknappheit sind längst keine Ausnahmeerscheinungen mehr. Die vergangenen Sommer haben gezeigt, dass längere Hitzeperioden auch in Baden-Württemberg zur neuen Realität gehören. Wer seine Prozesse frühzeitig anpasst, kann jedoch nicht nur die Risiken reduzieren, sondern häufig auch dauerhaft Energie und Ressourcen einsparen. Denn für produzierende Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken entstehen zunehmend wirtschaftliche Risiken:

  • Kühlwasser wird knapp
  • Maschinen geraten an ihre Leistungsgrenzen
  • Beschäftigte sind höheren Belastungen ausgesetzt
  • Energiekosten steigen.

Wenn Hitze zur Produktionsbremse wird

Hohe Temperaturen wirken sich auf nahezu alle Bereiche eines Produktionsbetriebs aus. Während viele zunächst an die Belastung der Beschäftigten denken, geraten häufig auch technische Anlagen unter Stress. Kühlaggregate laufen länger, Kompressoren arbeiten weniger effizient und elektronische Komponenten erreichen schneller ihre zulässigen Maximaltemperaturen.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der in diesem Sommer viele Unternehmen beschäftigt: Wasser.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit haben zahlreiche Wasserbehörden in Baden-Württemberg die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen eingeschränkt oder vollständig untersagt. Hintergrund sind niedrige Wasserstände und hohe Gewässertemperaturen, die Fische und andere Wasserorganismen zusätzlich belasten. Auch in der Region Heilbronn-Franken beobachten die Landratsämter die Situation an Neckar, Jagst, Kocher und Tauber sehr genau und informieren bei Bedarf über entsprechende Allgemeinverfügungen.

Für Unternehmen, die Oberflächenwasser zur Prozess- oder Maschinenkühlung nutzen, kann dies unmittelbare Auswirkungen auf den Betrieb haben.

Kühlwasser wird zum Engpass

In vielen Industriebetrieben dient Wasser als effizientes Kühlmedium – etwa für Werkzeugmaschinen, Spritzgussanlagen, Schweißtechnik, Kompressoren oder Gießereianlagen.

Steht weniger Wasser zur Verfügung oder steigt dessen Temperatur deutlich an, sinkt die Kühlleistung. Die Folgen können sein:

  • Verlängerte Produktionszyklen
  • Qualitätsabweichungen
  • Verringerte Maschinenleistung
  • Automatische Leistungsreduzierungen
  • Ungeplante Anlagenstillstände

Dabei ist nicht nur ein Wasserentnahmeverbot problematisch. Wärmeres Flusswasser kann physikalisch auch weniger Wärme aufnehmen als kühles Wasser. Die vorhandenen Kühlsysteme arbeiten dadurch weniger effizient.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

Nicht jede Maßnahme lässt sich kurzfristig umsetzen. Einige Ansätze können jedoch bereits mittelfristig die Versorgungssicherheit erhöhen:

  • Umstellung auf geschlossene Kühlkreisläufe, um Wasser mehrfach zu nutzen
  • Optimierung und Reinigung von Wärmeübertragern und Rückkühlern
  • Kaskadennutzung von Kühlwasser in mehreren Prozessen
  • Reduzierung unnötiger Prozesswärme
  • Prüfung alternativer Wasserquellen (z. B. Brunnen- oder Regenwasser), sofern wasserrechtlich zugelassen
  • Erfassung der tatsächlichen Wasserverbräuche einzelner Produktionsbereiche

KEFF+-Tipp: Wer seinen Wasserverbrauch kennt, erkennt Einsparpotenziale deutlich schneller. Die Umwelttechnik BW bietet hierfür mit dem Wasser-Check ein Analyseinstrument speziell für Unternehmen an.

Mehr als nur Kühlung: Maschinen reagieren empfindlich auf Hitze

Nicht nur wassergekühlte Anlagen leiden unter hohen Temperaturen. Besonders betroffen sind unter anderem auch:

  • Schaltschränke
  • Frequenzumrichter
  • Servoantriebe
  • Hydraulikanlagen
  • Kompressoren
  • Serverräume
  • Batteriespeicher
  • Transformatoren

Viele dieser Komponenten verfügen über integrierte Temperaturschutzfunktionen. Werden kritische Temperaturen erreicht, reduzieren sie ihre Leistung oder schalten vollständig ab, um Schäden zu vermeiden. Gleichzeitig altern Schmierstoffe bei höheren Temperaturen schneller, Dichtungen werden stärker beansprucht und Ventilatoren oder Filter verschmutzen im Dauerbetrieb schneller.

KEFF+-Tipp: Eine vorbeugende Wartung vor den Sommermonaten kann Ausfälle vermeiden. Dazu gehören insbesondere:

  • Reinigung von Wärmeübertragern
  • Kontrolle von Ventilatoren und Filtern
  • Überprüfung der Schaltschrankkühlung
  • Kontrolle der Kühlmitteltemperaturen
  • Prüfung thermisch kritischer Anlagenbereiche

Druckluft wird im Sommer teurer

Druckluft zählt in vielen Unternehmen zu den größten Stromverbrauchern. Was häufig unterschätzt wird ist, dass mit steigender Ansauglufttemperatur der Wirkungsgrad von Kompressoren sinkt. Gleichzeitig steigt der Kühlbedarf der Anlagen.

Schon kleine Effizienzverluste können sich über den Sommer spürbar auf den Stromverbrauch auswirken. Eine Druckluftanalyse lohnt sich daher besonders vor oder während längerer Hitzeperioden.

Klimatisierung kostet Energie

Nicht nur Produktionsanlagen benötigen zusätzliche Kühlung. Auch:

  • Lüftungsanlagen
  • Serverräume
  • Kaltwassersätze
  • Klimageräte
  • Bürogebäude

verursachen an heißen Tagen deutlich höhere Stromverbräuche. Insbesondere in Unternehmen mit Leistungspreisen können dadurch zusätzliche Lastspitzen entstehen.

Hier lohnt sich eine Analyse:

  • Welche Verbraucher laufen gleichzeitig?
  • Können energieintensive Prozesse zeitlich verschoben werden?
  • Lässt sich Prozesswärme sinnvoll zurückgewinnen?

Arbeitsschutz gewinnt an Bedeutung

Während Maschinen häufig mit Sensoren ausgestattet sind, bemerken Beschäftigte Hitzebelastungen oft erst, wenn Konzentration und Leistungsfähigkeit bereits nachlassen. Mit steigenden Temperaturen nehmen unter anderem zu:

  • Ermüdung
  • Konzentrationsfehler
  • Unfallrisiken
  • Kreislaufprobleme
  • Dehydrierung

Gerade in Produktionshallen addieren sich Raumtemperatur, Prozesswärme und körperliche Belastung.

Die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet Arbeitgeber dazu, Arbeitsstätten so einzurichten und zu betreiben, dass keine Gesundheitsgefahren entstehen. Diese nennt folgende Orientierungswerte:

  • Ab 26 °C – Arbeitgeber sollen geeignete Maßnahmen prüfen
  • Ab 30 °C – Wirksame technische, organisatorische oder personenbezogene Maßnahmen sind erforderlich
  • Ab 35 °C – Arbeitsräume gelten ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen grundsätzlich nicht mehr als geeignete Arbeitsräume

Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise:

  • Arbeitsbeginn in die frühen Morgenstunden verlegen
  • Zusätzliche Erholungspausen ermöglichen
  • Ausreichend Trinkwasser bereitstellen
  • Sonneneinstrahlung reduzieren
  • Lüftung verbessern
  • Ventilatoren einsetzen (soweit geeignet)
  • Besonders belastende Tätigkeiten zeitlich entzerren

Auch der Brandschutz verändert sich

Trockenheit erhöht nicht nur die Waldbrandgefahr. Auch auf Betriebsgeländen steigt das Risiko von Vegetations- und Flächenbränden. Besonders kritisch sind:

  • Schweißarbeiten
  • Trennschleifen
  • Heiße Fahrzeugteile
  • Funkenflug
  • Trockene Grünflächen entlang von Gebäuden

Unternehmen sollten daher regelmäßig prüfen,

  • ob Vegetation zurückgeschnitten werden muss
  • ob Brandlasten im Außenbereich reduziert werden können
  • ob Zufahrten und Löschwasserentnahmestellen jederzeit zugänglich sind

KEFF+ Checkliste: 10 Sofortmaßnahmen für heiße Tage

  • Kühlwasserbedarf erfassen
  • Wärmeübertrager reinigen
  • Schaltschranktemperaturen kontrollieren
  • Druckluftanlage überprüfen
  • Lastspitzen analysieren
  • Kühlprozesse optimieren
  • Trinkwasserversorgung sicherstellen
  • Arbeitszeiten anpassen
  • Brandschutz im Außenbereich kontrollieren
  • Wasserabhängige Produktionsprozesse bewerten

KEFF+-Praxis-Tipp

Viele Maßnahmen gegen Hitzefolgen wirken sich gleichzeitig auf die Energie- und Ressourceneffizienz aus. Wer Prozesswärme reduziert, spart häufig nicht nur Kühlenergie, sondern auch Strom. Geschlossene Kühlkreisläufe senden den Wasserverbrauch, optimierte Druckluftanlagen reduzieren Energiekosten und eine intelligente Produktionsplanung kann Lastspitzen vermeiden.

Unternehmen, die ihre Kühl- und Energiesysteme, den Wasserverbrauch sowie den betrieblichen Hitzeschutz frühzeitig analysieren, schaffen nicht nur mehr Versorgungssicherheit. Sie stärken gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit und machen ihren Betrieb widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Gerade deshalb lohnt sich ein ganzheitlicher Blick auf Energie, Wasser und Materialeinsatz.

KEFF+ Heilbronn-Franken unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, diese Potenziale systematisch zu identifizieren und wirtschaftlich umzusetzen – kostenfrei – unabhängig – unverbindlich.

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